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Postkommotionelles Syndrom 5 Gründe Postkommotionelles Syndrom 5 Gründe

Postkommotionelles Syndrom: 5 Gründe, warum deine Symptome nach einer Gehirnerschütterung anhalten

Jeder vierte Mensch hat nach einer Gehirnerschütterung länger Symptome als einen Monat. Je nach Studienlage sind es 15 bis 40 Prozent der Betroffenen, und viele haben sogar über Monate oder Jahre hinweg Beschwerden. Falls du dazugehörst: Das liegt nicht daran, dass dein Gehirn nicht mehr funktioniert oder dein Körper verrücktspielt. Es gibt fünf konkrete, gut untersuchte Gründe dafür, dass Symptome anhalten können. Genau die schauen wir uns in diesem Artikel an.

Inhalt

  1. Was ist das postkommotionelle Syndrom?
  2. Grund 1: Dein autonomes Nervensystem
  3. Grund 2: Entzündungsprozesse, die nicht abklingen
  4. Grund 3: Gleichgewichtssystem und Augen
  5. Grund 4: Der Nacken
  6. Grund 5: Die Psyche
  7. Warum sich die Symptome gegenseitig verstärken
  8. Was du jetzt tun kannst
  9. Häufige Fragen zum postkommotionellen Syndrom


Was ist das postkommotionelle Syndrom?

Halten Symptome nach einer Gehirnerschütterung länger an, wird das im Deutschen als postkommotionelles Syndrom bezeichnet. Im Englischen findest du dafür meist den Begriff Post-Concussion-Syndrome (PCS). Der neue und aktuell offizielle Fachbegriff lautet persistent post-concussion symptoms (PPCS), also anhaltende Symptome nach einer Gehirnerschütterung.

Alle drei Begriffe meinen dasselbe: Beschwerden, die länger bestehen bleiben, als man es nach einer Gehirnerschütterung erwarten würde. Wenn du dich weiter einlesen möchtest, findest du unter diesen Bezeichnungen die meisten Beschreibungen und Blogartikel.

Einen ausführlichen Überblick zum postkommotionellen Syndrom bekommst du in diesem Artikel. 

Kommen wir jetzt zu den fünf Gründen, warum diese Symptome anhalten können.

Grund 1: Dein autonomes Nervensystem

Ein wichtiger Teil unseres Nervensystems arbeitet autonom, manche nennen es auch das vegetative Nervensystem. Es steuert Funktionen wie deinen Herzschlag, deine Atemfrequenz, die Körpertemperatur, die Pupillenweite, die Durchblutung in Muskulatur und Gehirn und deine Verdauung. Also viele wichtige Dinge, über die wir uns im Alltag selten Gedanken machen.

Nach einer Gehirnerschütterung können genau diese Funktionen nicht mehr optimal arbeiten. Das merkst du typischerweise unter Belastung: bei kognitiver Anstrengung oder wenn du dich sportlich betätigst, deine Herzfrequenz nach oben treibst und plötzlich wieder massiv Symptome bekommst.

Klassische Anzeichen sind Nebel im Kopf (Brainfog), Schwindel, ein Druck im Kopf, Konzentrationsschwierigkeiten sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit.

Was hilft: Diese sogenannte autonome Dysregulation lässt sich testen. Fällt der Test positiv aus, kannst du sie mit angepasstem Training wieder verbessern. Im Englischen heißt es treffend „Exercise is Medicine". Es gibt zahlreiche Studien, die zeigen, dass ein an deine Symptome angepasstes Ausdauertraining eine effektive Methode sein kann, um die autonome Dysregulation zu behandeln.

Grund 2: Entzündungsprozesse, die nicht abklingen

Entzündungsprozesse sind nach einer Gehirnerschütterung eine völlig normale Reaktion deines Körpers und wichtig, damit Heilung überhaupt stattfinden kann. Zum Problem werden sie erst, wenn sie nicht zum Erliegen kommen und dauerhaft bestehen bleiben.

Betroffene berichten dann oft über den klassischen Nebel im Kopf, Konzentrationsschwierigkeiten und ständige Müdigkeit oder Fatigue. Auch Verdauungsbeschwerden, die vorher nicht bestanden, können dazukommen. Manche haben das Gefühl, durch das Essen nicht mehr richtig satt zu werden. Das kann ein Zeichen dafür sein, dass dein Verdauungssystem die Nährstoffe aus der Nahrung nicht mehr optimal verwertet.

Grund 3: Gleichgewichtssystem und Augen

Bei fast allen Patienten mit anhaltenden Symptomen finden wir, dass Gleichgewichtssystem und Augen nicht mehr gut zusammenarbeiten. Das führt zu Gleichgewichtsstörungen, Benommenheit und Schwindel, typischerweise in großen Menschenmengen, im Einkaufszentrum beim Vorbeilaufen an den Regalen, im Zug oder im Bus.

Auch Schwierigkeiten beim Lesen, beim Fernsehen, beim Blick auf den Bildschirm oder beim Arbeiten im Büro hängen häufig mit dem visuellen System zusammen.

Was hilft: Auch das lässt sich gezielt testen. Auf Basis der Ergebnisse gibt es passende Übungen, die diese Symptomatik verbessern können.

Grund 4: Der Nacken

Der Nacken ist ein ganz zentraler Punkt, denn er ist bei einer Gehirnerschütterung praktisch immer mitbetroffen. Der Grund: Jede Gehirnerschütterung ist gleichzeitig ein Schleudertrauma. Nur wenn der Kopf und damit auch der Nacken stark beschleunigt wurden, kann es überhaupt zu einer Gehirnerschütterung kommen.

Deshalb macht der Nacken häufig Probleme. Du merkst vielleicht, dass du dich schlechter bewegen kannst oder eine extreme Verspannung hast. Das kann zu Kopfschmerzen führen oder die Schwindelsymptomatik verstärken.

Was hilft: Falls du wegen deiner Gehirnerschütterung bisher noch keine Physiotherapeutin, keinen Osteopathen oder Chiropraktiker gesehen hast, ist das eine gute Anlaufstelle, um deinen Nacken untersuchen zu lassen. Einen Überblick über Experten die dich unterstützen können bekommst du hier

Grund 5: Die Psyche

Bei komplexen und langanhaltenden Symptomen spielt irgendwann meist auch die Psyche eine Rolle. Das heißt nicht, dass du dir die Symptome einbildest. Es heißt, dass deine Emotionen und Gedanken deinen Heilungsverlauf positiv wie negativ beeinflussen können.

Und seien wir ehrlich: Wer über Wochen oder Monate Kopfschmerzen und Schwindel bekommt, sobald er nur etwas liest oder sich draußen bewegt, bekommt verständlicherweise Angst und wird verzweifelt. Besonders dann, wenn man von Arzt zu Arzt läuft und niemand richtig helfen kann. Deshalb ist es wichtig, die Psyche in die Behandlung zu integrieren und zu schauen, wie man dir hier unterstützen kann.

In diesem Artikel gehe ich nochmal ausführlicher auf die Auswirkungen der Psyche auf den Heilungsverlauf nach Gehirnerschütterungen ein. 

Warum sich die Symptome gegenseitig verstärken

Was das Ganze komplex macht: Je länger deine Symptome anhalten, desto wahrscheinlicher ist es, dass du einen Mix aus verschiedenen Symptomatiken hast. Mehrere Systeme können gleichzeitig betroffen sein und sich gegenseitig verstärken.

Die einzelnen Aspekte sollten deshalb nicht isoliert betrachtet werden, sondern ganzheitlich. Viele Patienten erleben genau dann einen Durchbruch in ihrer Therapie, wenn nicht nur einzelne Punkte herausgegriffen, sondern das ganze System zusammen betrachtet und behandelt wird.

Was du jetzt tun kannst

Wenn du herausfinden möchtest, welche deiner Symptome wahrscheinlich mit welchem System zusammenhängen, hilft dir mein kostenloser Symptom-Checker. Du kannst dich einfach eintragen, ihn herunterladen und für dich selbst einordnen, wo du gerade stehst.

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Häufige Fragen zum postkommotionellen Syndrom

Wie lange dauert ein postkommotionelles Syndrom?

Das ist sehr individuell. Bei den meisten Menschen klingen die Symptome innerhalb weniger Wochen ab. Bei 15 bis 40 Prozent der Betroffenen halten sie je nach Studienlage länger als einen Monat an, in manchen Fällen über Monate oder Jahre. Die Dauer hängt stark davon ab, welche Systeme betroffen sind und ob sie gezielt behandelt werden.

Ist das postkommotionelle Syndrom heilbar?

Anhaltende Symptome nach einer Gehirnerschütterung lassen sich in vielen Fällen deutlich verbessern, wenn die zugrunde liegenden Ursachen erkannt und gezielt angegangen werden. Wichtig ist ein ganzheitlicher Ansatz, der die verschiedenen betroffenen Systeme zusammen betrachtet. Eine individuelle Einschätzung durch Fachpersonal ist dafür der erste Schritt.

Welche Symptome gehören zum postkommotionellen Syndrom?

Häufig sind Nebel im Kopf (Brainfog), Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Müdigkeit oder Fatigue, Gleichgewichtsstörungen und Nackenbeschwerden. Meist tritt eine Kombination mehrerer Symptome auf.

Was ist der Unterschied zwischen Post-Concussion-Syndrom und postkommotionellem Syndrom?

Es gibt keinen inhaltlichen Unterschied. „Postkommotionelles Syndrom" ist die deutsche Bezeichnung, „Post-Concussion-Syndrome (PCS)" die englische. Der aktuelle Fachbegriff lautet „persistent post-concussion symptoms (PPCS)".

Quellen

  1. Patricios JS, Schneider KJ, Dvorak J, et al. Consensus statement on concussion in sport: the 6th International Conference on Concussion in Sport, Amsterdam, October 2022. British Journal of Sports Medicine. 2023;57(11):695-711. 
  2. Cancelliere C, Verville L, Stubbs JL, et al. Post-Concussion Symptoms and Disability in Adults With Mild Traumatic Brain Injury: A Systematic Review and Meta-Analysis. Journal of Neurotrauma. 2023;40(11-12):1045-1059. 
  3. Leddy JJ, Haider MN, Ellis MJ, et al. Early Subthreshold Aerobic Exercise for Sport-Related Concussion: A Randomized Clinical Trial. JAMA Pediatrics. 2019;173(4):319-325. 
  4. Schneider KJ, Meeuwisse WH, Nettel-Aguirre A, et al. Cervicovestibular rehabilitation in sport-related concussion: a randomised controlled trial. British Journal of Sports Medicine. 2014;48(17):1294-1298. 
  5. McIntosh SJ, Vergeer MH, Galarneau JM, Eliason PH, Debert CT. Factors Associated With Persisting Symptoms After Concussion in Adults With Mild TBI: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Network Open. 2025;8(6):e2517307. 

Physiotherapeut mit Schwerpunkt Sportphysiotherapie und spezialisiert auf Gehirnerschütterungen. Er forschte am Swiss Concussion Center und begleitet Betroffene in der Schweiz und online auf ihrem Weg zurück in Alltag, Beruf und Sport.

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