Post-Concussion-Syndrom: Wie Adam zurück in den Alltag fand
Jun 26, 2026
Ein Erfahrungsbericht nach langanhaltenden Symptomen nach einer Gehirnerschütterung
Vielleicht kennst du das: ein Sturz, ein Aufprall, und im ersten Moment denkst du dir nichts dabei. Doch dann gehen die Beschwerden einfach nicht weg. Schwindel, Kopfschmerzen, ein Kopf wie in Watte, und der ganz normale Alltag rückt in weite Ferne.
Genau so ging es Adam, 32, Unternehmer aus Berlin. Heute ist er wieder voll im Leben. Ich habe ihn gefragt, ob ich seine Geschichte erzählen darf, weil sie vielen von euch Mut machen kann. Hier ist sie, mit seinen eigenen Worten und ein paar Einordnungen aus meiner Praxis.
Ein harmloser Moment
Es war Mitte Juni. „In dem Moment hat sich das super harmlos angefühlt“, erinnert sich Adam. Erst Stunden später kamen die ersten Anzeichen: „bis ich dann Schwindel hatte und Kopfschmerzen.“ Adam ging dann zum Arzt, der ihn ins Krankenhaus schickte, ein CT wurde gemacht, doch das war unauffällig. Sein erster Gedanke: „Okay, in ein paar Tagen ist das weg.“ Doch es blieb.
Ein CT wird häufig gemacht, um schwere Verletzungen wie eine Gehirnblutung oder einen Schädelbruch auszuschließen. Schwindel direkt nach dem Aufprall ist tatsächlich ein Risikofaktor für einen verzögerten Verlauf, denn dieser bleibt oft bestehen, wenn er nicht korrekt behandelt wird.
Der erste Fehler: „Warte einfach ab“
Was dann folgte, kennen leider viele Betroffene nur zu gut. Adam ging wieder zum Arzt, und wieder hieß es: „Alles ist gut, warte noch ein bis drei Wochen.“ Also wartete er. Er startete normal in den Alltag zurück, und die Symptome und vor allem der Schwindel kamen prompt zurück.
Genau hier beginnt für viele das eigentliche Problem. „Warte einfach ab“ ist gut gemeint, greift aber oft zu kurz. Denn wenn Beschwerden nach den ersten Tagen bleiben, hilft reines Abwarten meist nicht weiter. Zeit allein bringt nicht die Heilung.
„Das ist wohl psychologisch“
Adam suchte spezialisierte Ärzte und Neurologen auf, „die einem aber nicht helfen konnten oder gefühlt nicht wussten, was man hat.“ Eine Ärztin erklärte ihm, er habe sich sozusagen „das Gehirn verstaucht“, ein bisschen Ruhe, dann werde alles gut. „Das klang für mich erst mal plausibel“, sagt Adam. Bei den Neurologen kam dann der Satz, der so vielen die letzte Sicherheit nimmt: Das sei wohl psychologisch, wahrscheinlich gar nicht körperlich.
Traurig, aber wahr: Diesen Satz höre ich von meinen Klienten erschreckend oft. Er ist selten böse gemeint, aber er lässt Menschen alleine, die eigentlich nur die richtige Begleitung brauchen.
Der Tiefpunkt: „Warum ich?“
Adam fühlte sich nicht ernst genommen und nicht verstanden. Er ging mehrmals zum Psychologen, aber für ihn brachte das nichts. „Ich hatte vorher keine Probleme. Ich hatte das Gefühl, ich drehe mich im Kreis, habe alles abgeklappert und trotzdem nicht das Richtige gefunden.“
Am meisten zehrte der verlorene Alltag. „Es war sehr frustrierend, einfach nicht arbeiten zu können. Ich mache auch super gerne Sport, und auch keinen Sport machen zu können.“ Dazu der Schlaf, der litt. „Man ist verzweifelt, manchmal auch traurig. Man denkt sich: Warum ich?“
Das erste Mal verstanden
Irgendwann begann für Adam die Suche nach jemandem, der wirklich helfen konnte. So ist er dann auf mich gestoßen. „Ich glaube, das war das erste Mal, wo man nicht nur das Gefühl hatte, sondern wirklich gemerkt hat: Man ist verstanden. Man hat jemanden vor sich, der ganz genau weiß, was man hat.“
Ganz ohne Zweifel ging es für Adam trotzdem nicht. Eine Online-Begleitung war für ihn Neuland: „Das war für mich so ein bisschen eine Blackbox. Aber ich hatte trotzdem ein gutes Gefühl dabei. Ich hatte das Gefühl, dass du wirklich weißt, was du tust und wirklich helfen willst.“
Von der Blackbox zum klaren Plan
„Nach dem zweiten oder dritten Call war dann schon klar: Da ist wirklich ein ganz klarer Plan“, sagt Adam. Und genau das ist wichtig. Für die meisten Betroffenen ist die erste große Erleichterung nicht eine bestimmte Übung, sondern das Gefühl, endlich zu wissen, dass es einen klaren Weg nach vorne gibt. Dazu kam die Begleitung im Alltag. „Ich konnte jederzeit auf WhatsApp schreiben, und du hast eigentlich immer reagiert, auch mal an einem Sonntag.“
Der Wendepunkt: Bewegung und Augen
Der eigentliche Durchbruch kam für Adam mit den ersten aktiven Aufgaben. „Bei mir war das erste Mal, als wir mit den Jogging- und Pulsaufgaben gestartet hatten. Das war der Moment, wo ich dachte: endlich wieder Sport machen können.“
Ganz simpel gesagt geht es bei diesen Aufgaben darum, dein System in kleinen, gut dosierten Schritten wieder an Belastung zu gewöhnen, ohne es zu überfordern. Welche Therapiemethoden sonst noch helfen können erfährst du in diesem Artikel.
Dann kamen die Übungen für die Augen dazu. „Das war wirklich ein großer Game Changer für mich. Da habe ich gemerkt: Ich kann jetzt einen halbwegs normalen Alltag erleben.“ Es war nicht von heute auf morgen perfekt, aber es ging spürbar voran. „Man hat immer gesehen, die Fortschritte kamen immer schneller, die Abstände wurden immer kleiner. Das war fantastisch.“
Zurück im Leben
Heute beschreibt Adam seinen Alltag so, wie er ihn vor der Gehirnerschütterung kannte. „Ich merke jetzt, dass ich eigentlich alles machen kann, ob Geschäftsreise oder Büro, oder auch mal spontan etwas anderes. Ich bin super flexibel.“ Auch eine kurze Nacht steckt er wieder weg, ohne Sorge, dass der nächste Tag nicht funktioniert.
Was Adam dir mitgeben möchte
Auf die Frage, was er anderen raten würde, sagt Adam Folgendes: „Nehmt euch Zeit für euch. Denkt nicht, ich muss jetzt sofort funktionieren. Nehmt euch die Zeit, die ihr braucht, um zu genesen.“
Besonders am Anfang ist es extrem wichtig, sich nicht direkt wieder in den Alltag zu stürzen, sondern dem Gehirn ausreichend Zeit zu geben, um sich von der Verletzung zu erholen.
Und eines liegt ihm besonders am Herzen: dir die Angst zu nehmen. „Habt keine Angst vor den Symptomen, dass es immer so bleibt. Am Ende ist es etwas, was immer nur besser werden kann.“ Für ihn war am wichtigsten, geduldig zu sein und die richtige Begleitung zu bekommen.
Was du daraus mitnehmen kannst
Vielleicht fragst du dich gerade, ob deine Geschichte ähnlich ausgehen kann. Vorweg: Jeder Verlauf ist unterschiedlich, und das Tempo der Genesung ist von Person zu Person verschieden. Auch Adam sagt das ganz bewusst: „Ich glaube, jeder Verlauf ist anders.“
Halten Beschwerden nach einer Gehirnerschütterung über Wochen oder Monate an, spricht man oft von langanhaltenden Symptomen, manchmal auch vom Post-Concussion-Syndrom. Und das ist wichtig: Lange galt strikte Ruhe als wichtigstes Mittel. Heute zeigt die Forschung ein anderes Bild. Nach den ersten 24 bis 48 Stunden kann zu langes Schonen die Beschwerden eher aufrechterhalten, während ein schrittweiser, gut angepasster Wiedereinstieg in Bewegung und Alltag vielen Betroffenen hilft. Es geht also nicht um ein Versprechen, sondern um einen klaren, auf dich abgestimmten Plan.
Du erkennst dich in Adams Geschichte wieder?
Wenn du nach einer Gehirnerschütterung seit Wochen oder Monaten mit Symptomen kämpfst und das Gefühl hast, dir fehlt der klare Weg nach vorne, dann lass uns sprechen. Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam auf deine Situation und die möglichen nächsten Schritte.